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14 Behandlungsdauer mit Antibiotika kann ohne Risiko reduziert werden

 

Auch bei einer halbierten Dauer der Antibiotikagabe können gleich gute Resultate bei der Behandlung von Infektionen mit gramnegativen Bak-terien im Blut erzielt werden wie bei einer "klassischen", doppelt so langen Therapiedauer. Dadurch können sowohl gesundheitliche Nebenwir-kungen wie auch die Bildung von Antibiotikaresistenzen vermindert werden.

Porträt / Projektbeschrieb (abgeschlossenes Forschungsprojekt)

Insgesamt nahmen 504 Patienten/-innen aus drei Spitälern mit einer Blutbahninfektion mit gramnegativen Bakterien an der Studie teil. Sie wurden zufällig drei Gruppen zugeordnet: Die erste Gruppe wurde während 14 Tagen, die zweite während sieben Tagen und die dritte gemäss einer individuell festgelegten Dauer mit Antibiotikum behandelt, wobei die behandelnden Ärzte/-innen das einzusetzende Antibiotikum bestimmten. Weder die Patienten/-innen noch die Ärzte/-innen wussten bis zum Absetzen der Medikamente, welcher Gruppe die Patienten/-innen zugeteilt waren. Nach 30, 60 und 90 Tagen wurde die Wirksamkeit der jeweiligen Behandlungsdauer unter Berücksichtigung allfälliger Komplikationen und gestützt auf die Daten aus den elektronischen Patientendossiers ausgewertet.

Hintergrund / Ausgangslage

Um unnötige oder schädliche Antibiotikabehandlungen zu vermeiden, müssen diese nach evidenzbasierten Kriterien ausgewählt und durchgeführt werden. Die Entscheidungsgrundlagen sind aber oft nicht ausreichend. Abhilfe schaffen können jedoch kontrollierte randomisierte Studien, die in einem normalen klinischen Rahmen mit Daten aus den elektronischen Patientendossiers durchgeführt werden. Sie sind effizienter als herkömmliche Studien und tragen zur Einführung von selbstlernenden Systemen im Gesundheitswesen bei.

Ziele

Ziel der Studie war es, die optimale Dauer der Antibiotikatherapie bei einer bakteriellen Infektion im Blut zu bestimmen, um so den Anstieg der bakteriellen Antibiotikaresistenz zu verlangsamen. Zum ersten Mal sollte in der Schweiz eine am Patientenbett kontrollierte randomisierte Studie, gestützt auf Daten aus den elektronischen Patientendossiers, durchgeführt werden.

Resultate

30, 60 und 90 Tagen nach der Gruppeneinteilung schnitten Patienten/-innen, die zur Gruppe mit der siebentägigen oder derjenigen mit der individualisierten, im Schnitt ebenfalls siebentätigen Behandlungsdauer gehörten, genauso gut ab wie Patienten/-innen aus der Gruppe mit der vierzehntägigen Antibiotikagabe. Es wurden zudem keine signifikanten Unterschiede zwischen den drei Gruppen bezüglich des Wiederauftretens der Infektion beobachtet: die Rate betrug bei der siebentägigen Behandlung 6,6 Prozent, bei der individualisierten 2,4 Prozent und bei der vierzehntägigen 5,5 Prozent.

Bedeutung / Anwendung

Bedeutung der Resultate für die Forschung

Dieses erstmals in der Schweiz eingesetzte Studiendesign mit Randomisierung am "Point of Care" hat eine Plattform für weitere Studien geschaffen, die Patienten/-innen im normalen klinischen Rahmen zufällig, kostengünstig und unter Einbezug der elektronischen Patientendossiers Interventions- und Kontrollgruppen zuteilt und so einen Beitrag zur besseren Nutzung der Gesundheitsressourcen leistet.

Bedeutung der Resultate für die Praxis

Die Studie zeigt auf, dass, in dieser Patientenpopulation, die Behandlungsdauer mit Antibiotika zur Bekämpfung von Infektionen mit gramnegativen Bakterien im Blut ohne Risiko reduziert werden kann.

Originaltitel

The PIRATE project: a Point-of-care, Informatics-based Randomised, controlled trial for decreasing over-utilisation of Antibiotic Therapy in Elderly and comorbid populations

Projektverantwortliche

Hauptgesuchstellerin:

  • Angela Huttner, MD, FMH, Infection Control Program, University Hospitals of Geneva

Weitere Gesuchstellende:

  • Prof. Stephan Harbarth, Service de prévention de l’infection, Faculté de Médecine, Université de Genève
  • Prof. Laurent Kaiser, Laboratoire de Virologie, Service des Maladies Infectieuses, Hôpitaux Universitaires de Genève (HUG)
  • Prof. Pierre-Yves Bochud, Service des Maladies Infectieuses, Département de Médecine Interne, Centre Hospitalier Universitaire Vaudois (CHUV)
  • Dr. Werner Albrich, Infektiologie und Spitalhygiene, Departement Innere Medizin, Kantonsspital St. Gallen

Projektpartnerinnen und -partner:

  • Dr. Angèle Gayet-Ageron, Hôpital des enfants, Division d'épidémiologie clinique, Hôpitaux Universitaires de Genève (HUG)
  • Dr. Rodolphe Meyer, Direction des systèmes d'information (DSI), Hôpitaux Universitaires de Genève (HUG)

 

 

Weitere Informationen zu diesem Inhalt

 Kontakt

Dr. MD Angela Huttner Infection Control Program University Hospitals of Geneva 4, rue Gabrielle-Perret-Gentil 1211 Genève 14 Angela.Huttner@hcuge.ch

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