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05 Case Management reduziert Frequentierung von Notfallstationen und fördert Lebensqualität von spezifischer Patientengruppe

 

Der Grossteil der Notfallstationen in der Schweiz ist überlastet. Mitverantwortlich dafür ist eine kleine Gruppe von Patienten/-innen, welche die Notfallstationen überdurchschnittlich stark beansprucht. Die Einführung einer Intervention vom Typ eines Case Managements kann dazu beitragen, den komplexen Bedürfnissen dieser Bevölkerungsgruppe gerecht zu werden.

Porträt / Projektbeschrieb (abgeschlossenes Forschungsprojekt)

Das Forschungsteam traf sich mit leitenden Mitarbeitenden der dreizehn öffentlichen Spitälern mit einer Notfallstation für Erwachsene in der französischsprachigen Schweiz. Es informierte sie über die Studie und lud sie zu einem Workshop zum Thema Case Management ein. Acht Spitäler entschieden sich für eine Teilnahme an der Studie und führten das Case Management für häufige Nutzer/-innen in ihren Notfallstationen ein. Diese Patienten/-innen mit Case Management wurden vom Forschungsteam telefonisch zum Behandlungsverlauf und die beteiligten Mitarbeitenden der Notfallstation schriftlich und mittels qualitativer Interviews zur Implementierung befragt. Das Forschungsteam bot während der gesamten Implementierungsphase Unterstützung und Schulung an.

Hintergrund / Ausgangslage

Patienten/-innen, welche häufig Notfallstationen aufsuchen, haben oft mehrere medizinische, psychische, substanzbezogene und soziale Probleme. Im Universitätsspital Waadt entfallen 12% der Notfallkonsultationen auf 4% der Patienten/-innen. Studien zeigen, dass die Einführung eines Case Management für diese Patienten/-innen die Anzahl der Besuche in der Notaufnahme zu verringern und die Lebensqualität der Patienten/-innen erhöhen kann. Es ist jedoch wenig darüber bekannt, wie das Case Management in nicht-universitären Spitälern umgesetzt werden kann.

Ziele

Ziel der Studie war es, das Case Management für häufige Nutzer/-innen von Notfallstationen in unterschiedlichen Spitälern in der französischsprachigen Schweiz einzuführen, darunter in universitären wie auch in kantonalen bzw. regionalen Spitälern. Die Studie konzentrierte sich sowohl auf den Implementierungsprozess des Case Managements als auch auf die klinischen Verläufe der beteiligten Patienten/-innen. Die Ergebnisse sollten Aufschluss darüber geben, wie das Case Management weiter verbreitet werden kann, um die Zahl der Konsultationen in Notfallstationen zu verringern und die Gesundheitsversorgung für die betroffenen Patienten/-innen zu verbessern.

Resultate

Das Personal führte im Laufe der Studie bei 32 Prozent aller Patienten/-innen, welche die Notfallstationen aufsuchten ein Screening durch. 55 Prozent der Patienten/-innen, die ein Angebot für ein Case Management erhielten, nahmen dieses in Anspruch (insgesamt 79 Patienten/-innen). Bei diesen Patienten/-innen zeigte sich im zeitlichen Verlauf eine Verbesserung der körperlichen Lebensqualität und eine Abnahme der Zahl der Notfallkonsultationen. Die Patienten/-innen beurteilten das Case Management positiv. Als wichtigsten Faktor für positive Veränderungen erachteten sie die Qualität ihrer Beziehung zum Case Manager. Einige Patienten/-innen bedauerten jedoch, dass der Case Manager zu wenig Zeit hatte. Das Personal in den Notfallstationen berichtete von einer echten Teamarbeit beim Aufbau und bei der Umsetzung des Case Managements. Als erschwerend wurde der Mangel an Ressourcen vor Ort genannt, der die Einführung des Case Management zu einer Herausforderung machte.

Bedeutung / Anwendung

Bedeutung der Resultate für die Forschung und Praxis

Die Ergebnisse zeigen, dass in der Schweiz grosses Interesse und grosser Bedarf hinsichtlich der Einführung eines Case Managements besteht. Die Implementierung erscheint machbar - sofern ausreichende Ressourcen für eine adäquate Einführung und effektive Umsetzung vorhanden sind. Die Ergebnisse bestätigten zudem, dass das Case Management geeignet ist, um die Zahl der Notfallkonsultationen zu verringern und die Lebensqualität der betroffenen Patienten/-innen zu verbessern.

Originaltitel

Implementing a case management intervention for frequent users of the emergency department: a multicenter study in Switzerland (I-CaM)

Projektverantwortliche

Hauptgesuchsteller:

  • Prof. Patrick Bodenmann, Centre des populations vulnérables (CPV), Université de Lausanne

Weitere Gesuchstellende:

  • Dr. Judith Griffin, Policlinique Médicale Universitaire, Université de Lausanne
  • Dr. Olivier Hugli, Centre interdisciplinaire des urgences, Université de Lausanne
  • Prof. Jean-Bernard Daeppen, Centre de Traitement en Alcoologie, Centre Hospitalier Universitaire Vaudois (CHUV)

Projektpartnerinnen und -partner:

  • Dr. Joanna Moullin, Child & Adolescent Services Research Center Department, Psychiatry University of California, San Diego
  • Dr. Donna Zulman, Division of General Medical Discipline, Department of Medicine, Stanford University

 

 

Weitere Informationen zu diesem Inhalt

 Kontakt

Prof. Patrick Bodenmann Titulaire de la Chaire de médecine des populations vulnérables UNIL
Université de Lausanne Médecin adjoint, responsable du Centre des populations vulnérables (CPV) PMU
Policlinique médicale universitaire
Rue du Bugnon 44
Bureau BU44/06/2202
1011 Lausanne +41 21 314 49 37 patrick.bodenmann@hospvd.ch

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