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25 Die ältere Bevölkerung soll bei der Planung der Langzeitpflege gehört werden

 

Welche Form der Langzeitpflege die ältere Bevölkerung bevorzugt, hängt sowohl vom Unterstützungsbedarf wie auch von der möglichen Unterstützung durch einen Ehepartner ab. Männer bevorzugen häufiger als Frauen die informelle Betreuung und Pflege zuhause ohne professionelle Hilfe. Zudem besteht ein wachsendes Interesse an betreutem Wohnen.

Porträt / Projektbeschrieb (abgeschlossenes Forschungsprojekt)

Die Studie stützt sich auf eine Kohorte von Menschen im Alter zwischen 68 und 82 Jahren, die im Kanton Waadt bei sich zu Hause lebten. 2012 wurden 3’000 Personen zum ersten Mal befragt. Ihnen wurden schriftlich ein Dutzend fiktive Beispiele pflegebedürftiger Personen vorgelegt, für die sie jeweils die beste Pflegelösung finden mussten. Dabei wurde jeweils unterschieden, ob ein Ehepartner die pflegebedürftige Person unterstützen konnte oder nicht. Die Befragung wurde 2017 mit 3’500 Personen wiederholt. Die Studie analysierte, wie die dargestellten Situationen und die Eigenschaften der Befragten ihre Entscheidungen beeinflussten. Zudem wurde bei denjenigen Personen, die die Befragung sowohl 2012 und 2017 beantworteten, analysiert, wie und weshalb sich ihre Präferenzen im Laufe der Zeit veränderten.

Hintergrund / Ausgangslage

Der Bedarf an Langzeitpflege wird in Zukunft stark ansteigen. Das breite Angebot von Pflegedienstleistungen ermöglicht es älteren Menschen heute, ihr Pflegemodell gemäss ihren Bedürfnissen und Werten auszuwählen. Dies steigert nicht nur die Lebensqualität der pflegebedürftigen Person, sondern auch diejenige ihrer pflegenden Angehörigen – oftmals ihre Ehepartner. Welche Pflegeform ältere Menschen bevorzugen, war bisher jedoch kaum bekannt und konnte deshalb erst ungenügend in den Planungen zur Langzeitpflege berücksichtigt werden.

Ziele

Das erste Ziel der Studie war es, je nach Umfang des Pflegebedarfs die bevorzugte Pflegeform der älteren Bevölkerung zu ermitteln. Insbesondere sollten die Grenzen der häuslichen Pflege und das Interesse an betreutem Wohnen untersucht werden. Ein zweites Ziel war es, zu untersuchen, ob persönliche Merkmale die Präferenzen der älteren Menschen beeinflussen. Ein drittes Ziel war es, die Konsistenz der Antworten und die Kontinuität der Präferenzen über die Zeit zu beurteilen.

Resultate

Welche Form der Pflege und Betreuung die ältere Bevölkerung bevorzugt, hängt primär davon ab, wie gross der in den fiktiven Beispielen beschriebene Unterstützungsbedarf ist und ob ein Ehepartner Unterstützung leisten kann. Persönliche Merkmale der Befragten - wie Alter, Geschlecht, Bildungsstand, oder ihre allfällige Rolle als pflegende/r Angehörige/r - beeinflussen die Wahl kaum. Der eigene Unterstützungsbedarf der Befragten hat keinen Einfluss auf ihre Beurteilung. Besteht ein Unterstützungsbedarf bei der Inkontinenzversorgung, so bevorzugen die Befragten institutionelle Lösungen, was die Grenzen der Pflege und Betreuung zuhause aufzeigt. Der Vergleich der Daten von 2012 und 2017 verdeutlicht zudem das wachsende Interesse der älteren Bevölkerung an der Form des betreuten Wohnens, insbesondere bei geringer oder mittlerer Pflegebedürftigkeit.

Bedeutung der Resultate für die Praxis

Dieses Projekt macht deutlich, dass es möglich ist, die Präferenzen der älteren Bevölkerung in Bezug auf die Langzeitpflege zu erfassen. Im Kanton Waadt zeigt sich ein wachsendes Interesse an betreutem Wohnen. Die Studie weist auch auf die Bedeutung der Inkontinenzprävention und der professionellen Unterstützung von pflegenden Angehörige bei der Pflege und Betreuung zuhause hin. Da die Präferenzen der älteren Bevölkerung durch regionale und kulturelle Faktoren beeinflusst werden können, müssen sie auf lokaler Ebene analysiert werden. Die in dieser Umfrage verwendeten fiktiven Beispiele stehen den kantonalen Gesundheitsämtern zur Verfügung, um die Bedürfnisse ihrer älteren Bevölkerung zu erheben und ihre Pflegepolitik darauf auszurichten.

Originaltitel

Preference for long-term care options in community-dwelling older adults

Projektverantwortliche

Hauptgesuchstellerin:

  • Prof. Brigitte Santos-Eggimann MD, DrPH, MPH, Institut Universitaire de Médecine Sociale et Préventive, Centre Hospitalier Universitaire Vaudois

 

 

Weitere Informationen zu diesem Inhalt

 Kontakt

Prof. Dr. Brigitte Santos-Eggimann CHUV centre hospitalier universitaire vaudois Chef de l'Unité des services de santé IUMSP - Institut Universitaire de Médecine Sociale et Préventive Biopôle 2
Route de la Corniche 10
1010 Lausanne +41 21 314 97 52 Brigitte.Santos-Eggimann@chuv.ch