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17 Verbesserung der Demenzdiagnose erfordert engere Zusammenarbeit von Akteuren im Gesundheits- und Sozialbereich

 

Die Diagnose von Demenz ist mit vielen politischen und normativen Fragen verbunden. Ihre Umsetzung erfordert den Einbezug sowohl des Gesundheits- wie auch des Sozial- bzw. Pflegebereichs und umfasst verschiedene praktische Dilemmata. Die vorliegende Studie untersuchte, wie in den Schweizer Kantonen mit diesem Thema umgegangen wird, insbesondere der Früherkennung von Demenz, und welche ethischen Aspekte Gesundheitsfachpersonen in diesem Kontext antreffen.

Porträt / Projektbeschrieb (abgeschlossenes Forschungsprojekt)

Das Projektteam führte eine internationale Literaturrecherche zu den Vor- und Nachteilen sowie den ethischen Fragen der Frühdiagnostik durch. Basierend auf einer umfassenden Dokumentenanalyse wurden die 26 kantonalen Diagnoseverfahren beschrieben. Auf dieser Grundlage wurde in allen Kantonen eine Online-Umfrage bei Einrichtungen, die Demenzdiagnosen anbieten, durchgeführt. Schliesslich wurden Fallstudien in vier Kantonen (St. Gallen, Tessin, Waadt, Zürich) erstellt, die eine kantonale Demenzstrategie verabschiedet haben. Diese Fallstudien umfassten eine Analyse der öffentlichen Politik und eine Untersuchung praktischer und ethischer Dilemmas, die von Fachpersonen aus dem Gesundheitsbereich in ausgewählten Diagnoseeinrichtungen (hauptsächlich Memorykliniken) genannt wurden.

Hintergrund / Ausgangslage

Demenzerkrankungen werden in der Schweiz in den kommenden Jahren deutlich zunehmen. Mit der Nationalen Demenzstrategie 2014 -2019 bereitete sich das Gesundheitssystem auf die damit verbundenen Herausforderungen vor. Die Strategie legte einen Schwerpunkt auf die Früherkennung und die Unterstützung der Betroffenen und ihrer Angehörigen. Der Nutzen der Früherkennung ist jedoch nicht unumstritten, und die Kantone, die hauptsächlich für die Gesundheits- und Pflegepolitik zuständig sind, verfolgen unterschiedliche Ansätze. Über die konkrete Umsetzung der Früherkennung und deren Implikationen war bisher wenig bekannt.

Ziele

Ziel der Studie war es, ein systematisches und umfassendes Bild der Diagnose von Demenzerkrankungen in den Schweizer Kantonen zu erstellen. Folgende drei Fragen wurden gestellt:

1. Was sind die Merkmale der Netzwerke zur Diagnose von Demenz in der Schweiz?

2. Wie setzen die verschiedenen Kantone die Früherkennungspolitik um?

3. Welches sind die wichtigsten ethischen Dilemmas im Zusammenhang mit der Diagnose von Demenz?

Resultate

Die kantonalen Strategien und Massnahmen zur Diagnose von Demenz unterscheiden sich bezüglich ihres Zentralisierungsgrads, der Eigenschaften ihrer Akteurnetzwerke sowie ihrer Verankerung im Gesundheits- und/oder Sozialwesen. Die Fachpersonen im Gesundheitswesen sind in ihrer Arbeit vor allem mit den sozialen Folgen der Diagnose für die Betroffenen und ihre Angehörigen konfrontiert, insbesondere was die Gewährleistung der Langzeitpflege oder den Entzug des Führerscheins betrifft. Es besteht ein Bedarf (und ein grosses Potenzial) hinsichtlich der besseren Koordination zwischen den Institutionen, welche die Diagnose stellen, sowie den Sozial-/Pflegeeinrichtungen. Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie die Autonomie der Patienten/-innen und ihrer Angehörigen in jeder Phase des Diagnoseprozesses am besten gewahrt und gefördert werden kann.

Bedeutung / Anwendung

Bedeutung der Resultate für die Forschung und Praxis

Die vorliegende Studie beleuchtet die Vielfalt der kantonalen Demenzstrategien in der Schweiz. Die Ergebnisse dienen dazu, den Wissensaustausch zwischen den Kantonen zur Konzipierung und Umsetzung der Demenzstrategien zu fördern und dadurch blinde Flecken zu reduzieren und den chancengleichen Zugang zu fördern. Insbesondere die sozialen Fragen, die sich in Zusammenhang mit der (Früh-)Erkennung von Demenzerkrankungen stellen, sollen verstärkt in den kantonalen Demenzstrategien.

Originaltitel

Dementia Diagnostic between Cure and Care Policies Practices and ethical issues in the Swiss cantons

Projektverantwortliche

Hauptgesuchstellerin:

  • Prof. Barbara Lucas, Haute école de travail social, Haute Ecole Spécialisée de Suisse occidentale

Weitere Gesuchstellende:

  • Prof. Samia Hurst, Institut Ethique Histoire Humanités (iEH2), Faculté de Médecine, Université de Genève

Projektpartnerinnen und -partner:

  • Prof. Lea Sgier, Department of Political Science Central, European University
  • Dr. Olivier Giraud, LISE CNAM CNRS, Paris

 

 

Weitere Informationen zu diesem Inhalt

 Kontakt

Prof. Dr. Barbara Lucas Haute école de travail social HES-SO Genève 28, rue Prévost-Martin
Case postale 80
1211 Genève 4 +41 22 388 94 80 barbara.lucas@hesge.ch

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