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23 Finanzielle Anreize beeinflussen die Behandlungsqualität bei Diabetes nur indirekt

 

Finanzielle Anreize zur Verbesserung der Behandlungsqualität von Diabetes-Patienten/-innen zeigen keine signifikante Wirkung auf die direkt geförderten Qualitätsindikatoren. Zu beobachteten ist jedoch ein indirekter Effekt der Intervention auf andere, nicht mit finanziellen Anreizen versehene Qualitätsindikatoren.

Porträt / Projektbeschrieb (abgeschlossenes Forschungsprojekt)

Die randomisierte kontrollierte Studie basierte auf der FIRE-Datenbank. Eingeschlossen wurden 71 Hausärzte/-innen aus 43 verschiedenen Praxen sowie 3’838 Patienten/-innen mit Diabetes mellitus. Die behandelnden Ärzte/-innen der Interventions- und Kontrollgruppe erhielten alle zwei Monate einen Diabetes-Feedback-Bericht zu zwei Qualitätsindikatoren: Zum prozentualen Anteil derjenigen Patienten/-innen, die innerhalb der letzten 12 Monate mindestens eine HbA1c-Messung erhielten und derjenigen, bei denen eine Blutdruckmessung durchgeführt und der empfohlene Zielwert erreicht wurde. Die Ärzte/-innen der Interventionsgruppe wurden zusätzlich darüber informiert, dass sie pro verbessertem Prozentpunkt nach Beendigung der Interventionsphase eine finanzielle Entschädigung von CHF 75 erhielten. Zusätzlich wurden vier Qualitätsindikatoren in die Untersuchung einbezogen, die gegenüber den Ärzten/-innen jedoch nicht kommuniziert worden sind.

Hintergrund / Ausgangslage

Finanzielle Anreize können eingesetzt werden, um die Qualität von medizinischen Behandlungen zu fördern. Mangels elektronischer Patientendossiers und damit verbunden standardisierten Behandlungsdaten von Schweizer Hausarztpraxen gab es bislang wenig gesichertes Wissen zur Wirksamkeit solcher Anreize im ambulanten Bereich. Die FIRE-Datenbank, an der sich seit 10 Jahren mehr als 600 Deutschschweizer Hausärzte/-innen freiwillig beteiligen, ermöglichte nun die Untersuchung der Wirksamkeit solcher qualitätsverbessernden Massnahmen.

Ziele

Das Hauptziel dieser Studie war es, anhand von Qualitätsindikatoren zu überprüfen, ob finanzielle Anreize für Hausärzte/-innen zu einer wirksameren Behandlung von Diabeteserkrankungen führen. Darüber hinaus wurde der Zusammenhang zwischen den Merkmalen der behandelnden Ärzte/-innen, der Praxen und der Patienten/-innen auf die Behandlungsqualität untersucht.

Resultate

Die Studie konnte keine signifikante Wirkung von finanziellen Anreize zur Verbesserung der Behandlungsqualität von Diabetes-Patienten/-innen auf die direkt geförderten Qualitätsindikatoren nachweisen. Der Anteil Patienten/-innen, die innerhalb der vorangehenden zwölf Monate mindestens eine HbA1c-Messung erhielten und derjenigen, bei denen eine Blutdruckmessung durchgeführt und der empfohlene Zielwert erreicht wurde, blieb unverändert. Zu beobachteten war jedoch ein indirekter Effekt der Intervention auf zwei andere, nicht mit finanziellen Anreizen versehene Qualitätsindikatoren. Zudem zeigten die untersuchten Merkmale der behandelnden Ärzte/-innen, der Hausarztpraxen sowie der Patienten/-innen keinen oder nur einen geringen Zusammenhang mit den Qualitätsindikatoren; sie konnten nur einen geringen Teil der beobachteten Schwankungen erklären. Dies deutet darauf hin, dass wichtige erklärende Merkmale in der Untersuchung fehlten.

Bedeutung / Anwendung

Bedeutung der Resultate für die Forschung

Dies ist eine der wenigen randomisierten kontrollierten Studien, die die Wirkung direkter finanzieller Anreize auf die Qualität der Behandlung untersucht, und die erste, die in einem europäischen Gesundheitssystem durchgeführt worden ist.

Bedeutung der Resultate für die Praxis

Die Qualitätsüberwachung im Zusammenhang mit finanziellen Anreizen nimmt zu, und diese Studie liefert wichtige Erkenntnisse zur Wirksamkeit entsprechender Anreize.

Originaltitel

Impact of financial incentives to improve quality indicators in diabetes patients

Projektverantwortliche

Hauptgesuchsteller:

  • Prof. Dr. med. Thomas Rosemann, Institut für Hausarztmedizin, Universitätsspital Zürich

Weitere Gesuchstellende:

  • Dr. Corinne Chmiel, Institut für Hausarztmedizin, Universität Zürich
  • Prof. Oliver Senn, Institut für Hausarztmedizin, Universität Zürich
  • Dr. Sima Djalali, Institut für Hausarztmedizin, Universität Zürich

 

 

Weitere Informationen zu diesem Inhalt

 Kontakt

Prof. Dr. med. Thomas Rosemann Universitätsspital Zürich Institut für Hausarztmedizin Pestalozzistrasse 24 8091 Zürich +41 44 255 90 99 Thomas.Rosemann@usz.ch

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