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12 Pauschalvergütungen helfen, Überversorgung zu vermeiden und Gesundheitskosten zu senken

 

Werden medizinische Leistungen einzeln vergütet, haben Ärztinnen und Ärzte einen finanziellen Anreiz, mehr und teurer als nötig zu diagnostizieren und zu behandeln. Die Studie untersuchte, wie sich Änderungen im ärztlichen Vergütungssystem auf die ambulanten Leistungen und die Gesundheitskosten auswirken.

Porträt / Projektbeschrieb (abgeschlossenes Forschungsprojekt)

Erstens analysierte die Studie die Auswirkungen der Reform des Vergütungssystems in der Schweiz. Mit der Reform des Schweizer Systems sollte mittels finanzieller Anreize eine Verschiebung der Leistungen weg von den Spezialisten hin zu den Grundversorgern unterstützt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde ein Konsultationsbonus für Hausärztinnen und Hausärzte sowie Kinderärztinnen und Kinderärzte eingeführt. Gleichzeitig wurden die Gebühren für technische Leistungen gesenkt, welche typischerweise von Spezialistinnen und Spezialisten durchgeführt werden (z.B. bildgebende Verfahren). Die Studie verglich basierend auf Routinedaten der medizinischen Versorgung die erbrachten ambulanten Leistungen vor und nach der Umsetzung der Reform.

Zweitens untersuchte die Studie die Auswirkungen unterschiedlicher Vergütungsmodelle in Baden-Württemberg. Dort haben Kinderärztinnen und Kinderärzte die Möglichkeit, zwischen zwei verschiedenen Vergütungsmodellen zu wählen. Diese unterscheiden sich bezüglich der Leistungen, welche pauschal vergütet werden. Basierend auf medizinischen Routinedaten wurde analysiert, wie sich die zwei Vergütungsmodelle auf die Leistungserbringung auswirken.

Drittens wurden schliesslich die Ergebnisse für die Schweiz und Baden-Württemberg verglichen.

Hintergrund / Ausgangslage

Im traditionellen Vergütungssystem stellen Ärztinnen und Ärzte ihre ambulanten Leistungen einzeln in Rechnung. Dies kann dazu führen, dass mehr und teurere Leistungen als nötig erbracht werden. Andere Vergütungssysteme mit Pauschalen für Patientinnen und Patienten oder für komplexe Behandlungen bieten dagegen einen finanziellen Anreiz, eine Überversorgung zu vermeiden. Aus diesem Grund wurden in der Schweiz und in Deutschland die Vergütungssysteme für Hausärztinnen und Hausärzte sowie Kinderärztinnen und Kinderärzte teilweise pauschaliert.

Ziele

Ziel der Studie war es zu untersuchen, wie sich die Reformen der Vergütungssysteme in der Schweiz und in Baden-Württemberg auf die ambulanten ärztlichen Leistungen und die Gesundheitskosten auswirken.

Resultate

Die Ergebnisse zeigen, dass nach Einführung der Konsultationspauschale in der Schweiz die Anzahl Konsultationen pro Patient/-in zu- und die Dauer pro Konsultation abnahm. Weiter konnte beobachtet werden, dass nach Senkung der Gebühren für technische Leistungen der Umfang dieser Leistungen zurückging.

Die Untersuchung über das Verhalten von Kinderärztinnen und Kinderärzte in Baden-Württemberg ergab, dass Patientinnen und Patienten davon profitieren können, wenn Leistungen pauschal vergütet werden. Die Häufigkeit des Screenings von Kleinkindern auf Kurzsichtigkeit nahm nach Einführung einer pauschalen Abgeltung signifikant zu. Dieser Effekt dürfte wesentlich darauf zurückzuführen sein, dass die Eltern der Kinder aufgrund des neuen Vertrages das Screening nicht mehr selbst zahlen mussten.

Bedeutung / Anwendung

Die Studie liefert Hinweise für die Schweiz und Deutschland, dass Ärztinnen und Ärzte auf finanzielle Anreize bei der Vergütung ihrer Leistungen reagieren. Entsprechend können die Erkenntnisse genutzt werden, um die Vergütungssysteme zukünftig besser auszugestalten und einen Beitrag zu leisten, eine Überversorgung zu vermeiden und den Anstieg der Gesundheitskosten zu dämpfen.

Originaltitel

Smarter Physician Reimbursement: Evidence from recent German and Swiss Reforms

Projektverantwortliche

Hauptgesuchsteller:

  • Prof. Dr. Stefan Felder, Department of Business and Economics, Universität Basel

Weitere Gesuchsteller:

  • Prof. Reto Auer, Berner Institut für Hausarztmedizin (BIHAM), Medizinische Fakultät, Universität Bern
  • Prof. Christian Ernst, Institut für Health Care and Public Management, Universität Hohenheim

 

 

Weitere Informationen zu diesem Inhalt

 Kontakt

Prof. Dr. Stefan Felder Professor of Health Economics Department of Business and Economics Peter Merian-Weg 6 4002 Basel +41 61 207 32 26 stefan.felder@unibas.ch

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