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07 Routinedaten aus Hausarztpraxen dienen der Verbesserung der Gesundheitsversorgung in der Schweiz

 

Die FIRE-Datenbank bildet die erste und bisher einzige Datenbank der Schweiz, die auf nationaler Ebene klinische Routinedaten zur ambulanten Versorgung erfasst. Diese dienen sowohl der Qualitätssicherung in der ambulanten Versorgung wie auch der Beantwortung von Fragestellungen der Versorgungsforschung.

Porträt / Projektbeschrieb (abgeschlossenes Forschungsprojekt)

Es wurden neue Hausarztpraxen für die Teilnahme am Projekt akquiriert und die notwendigen technischen Schnittstellen entwickelt. Weiter wurden Klassifikationssysteme für die Erfassung von 50 chronischen Erkrankungen sowie ein halbautomatischer Sprachverarbeitungsalgorhithmus für die Kategorisierung von Laborwerten implementiert. Zudem wurden die Anforderungen an die Dateneingabe basierend auf einer Literaturanalyse sowie auf Gesprächen mit Hausärzten-/innen erarbeitet. Anschliessend wurden in den Hausarztpraxen Anwenderschulungen durchgeführt und deren Wirksamkeit evaluiert. Nach der Implementierung des Systems wurden die Beteiligten in zwei Gruppen aufgeteilt, die sich bezüglich der Höhe der Entschädigung, welche sie für die Teilnahme am Projekt erhielten, unterschieden. Mittels eines Vergleichs der beiden Gruppen wurde die optimale Entschädigung für die systematische Datenerfassung in Hausarztpraxen ermittelt.

Hintergrund / Ausgangslage

Routinedaten sind eine wichtige Grundlage, um Fragen zum Gesundheitszustand und zur Behandlung von Patienten/-innen zu untersuchen. Die Datenbasis im ambulanten Bereich ist in der Schweiz jedoch schwach, fragmentiert oder für die Forschung unzugänglich. Die umfassendste Datenbank im hausärztlichen Bereich der Schweiz – FIRE - besteht seit rund zehn Jahren und hatte bei Studienstart im Jahr 2017 132 teilnehmende Arztpraxen in 13 Kantonen.

Ziele

Ziel der Studie war, weitere Hausarztpraxen für die standardisierte Erfassung von Routinedaten in der FIRE- Datenbank zu gewinnen und die optimale Höhe für deren finanzielle Entschädigung zu bestimmen. Zudem sollte die Qualität der Daten geprüft und bei Bedarf verbessert werden. Auf diese Weise sollte eine repräsentative Datenbasis im hausärztlichen Bereich der Schweiz geschaffen.

Resultate

Mit dem FIRE-Projekt wurde die erste Datenbank der Schweiz mit klinischen Routinedaten der ambulanten Versorgung aufgebaut. Im Verlaufe des Projekts konnte die Zahl der teilnehmenden Ärzte verdreifacht werden: Rund 700 Hausärzte/-innen aus über 200 deutschsprachigen Praxen haben anonymisierte klinische Routinedaten aus ihren elektronischen Krankenakten in die FIRE-Datenbank exportiert. Dies entspricht rund zehn Prozent der in diesem Bereich tätigen Hausärzte/-innen in der Schweiz. Aktuell enthält die FIRE-Datenbank über neun Millionen Konsultationsdatensätze mit administrativen Informationen, Diagnoseschlüsseln nach der International Classification of Primary Care 2nd edition (ICPC-2), Labor- und Vitalzeichenmessungen sowie Medikationspläne und Behandlungsschemata. Dieser halbautomatische Prozess erhöht die Qualität der verfügbaren Daten und hält die Datenbank ständig aktuell.

Bedeutung / Anwendung

Bedeutung der Resultate für die Forschung:

Dank dem Ausbau der FIRE-Datenbank und der Verbesserung der Datenqualität und -verfügbarkeit wurde eine zuverlässige und solide Datenbasis für die Versorgungsforschung geschaffen. Medizinische Routinedaten können verstärkt sekundär genutzt und zahlreiche Projekte der Versorgungsforschung können nun realisiert werden.

Bedeutung der Resultate für die Praxis:

Die FIRE-Datenbank kann darüber hinaus für Qualitätsbeurteilungen oder die Entwicklung beispielsweise von elektronischen Entscheidungshilfen genutzt werden.

Originaltitel

Establishing a nationwide collection of medical routine data in primary care – expanding the FIRE project

Projektverantwortliche

Hauptgesuchstellende:

  • PD Dr. med. Corinne Chmiel, Institut für Hausarztmedizin, Universität Zürich

Weitere Gesuchstellende:

  • Prof. Thomas Rosemann, Institut für Hausarztmedizin, Universität Zürich
  • Dr. Stefan Essig, Institut für Hausarztmedizin und Community Care, Universität Luzern
  • Dr. Andreas Zeller, Institut für Hausarztmedizin, Universität Basel
  • Dr. Sven Streit, Berner Institut für Hausarztmedizin (BIHAM), Universität Bern
  • Dr. Lilli Herzig, Institut universitaire de médecine de famille (IUMF), Université de Lausanne
  • Dr. Dagmar Haller-Hester, Département de santé et médecine communautaire, de premier recours et des urgences, Hôpitaux Universitaires de Genève (HUG)

 

 

Weitere Informationen zu diesem Inhalt

 Kontakt

PD Dr. Corinne Chmiel UniversitätsSpital Zürich Institut für Hausarztmedizin der Universität Zürich Pestalozzistrasse 24 8091 Zürich +41 44 255 98 55 corinne.chmiel@usz.ch

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